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Fünf Materialien, die uns abhandengekommen sind – und die erstaunlichen Alternativen aus der Region

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Fünf Materialien, die uns abhandengekommen sind – und die erstaunlichen Alternativen aus der Region

Photo: W.carter, CC0, via Wikimedia Commons

Wer hätte das gedacht: Ausgerechnet das Holz, das in deutschen Wäldern zuhauf wächst, wurde zum Engpassfaktor. Als in der Pandemie die Bau- und Möbelbranche gleichzeitig aufdrehte, während die Sägewerke mit Personalmangel kämpften, lernten wir in unserer Werkstatt schnell, was Flexibilität bedeutet. Seitdem beschaffen wir anders – regionaler, kreativer, manchmal auch eigenwilliger. Hier unsere ganz persönliche Bestandsaufnahme von fünf Materialien, die uns mühsam wurden, und was wir stattdessen verwenden.

1. Eichenholz – vom Luxusfall zur Mangelware

Eiche war jahrelang unser Brot-und-Butter-Holz. Dann stiegen die Preise um teilweise 30 bis 40 Prozent, und die Lieferzeiten für getrocknete Brettdicke dehnten sich auf sechs bis neun Monate. Der Grund: Hohe Nachfrage aus Asien, dazu trockene Sommer, die das Wachstum der Eichen verlangsamen.

Unsere Alternative: Wir sind auf Linde umgestiegen, wo es die Aufgabe erlaubt. Linde ist feinporig, wunderbar hell und lässt sich hervorragend bearbeiten – ein Traum für geschnitzte Details und Innenausbau. Der Preisunterschied ist deutlich: Wo Eiche bei rund 1.800 bis 2.400 Euro pro Kubikmeter liegt, bekommt man Linde oft für 900 bis 1.300 Euro. Beim Duft gibt es allerdings einen klaren Verlierer: Die Eiche riecht nach Wald und Gerbstoff, die Linde nach nichts Besonderem – fast ein bisschen nach Bleistift. Dafür arbeitet sie sich wie Butter.

2. Exotische Hölzer – der bewusste Verzicht

Teak, Meranti, Wenge: Lange Zeit waren tropische Hölzer für Terrassenmöbel und Akzentflächen selbstverständlich. Zwischen Herkunftsnachweisen, verschärften EU-Entwaldungsverordnungen und wackeligen Lieferketten haben wir uns weitgehend verabschiedet – und das aus Überzeugung, nicht nur aus Not.

Unsere Alternative: Lärche und Douglasie aus heimischen Wäldern. Beide Hölzer sind von Natur aus witterungsfähig, silbern bei Sonneneinstrahlung wunderschön nach und brauchen keine chemische Imprägnierung. Der Preis liegt etwa 40 Prozent unter dem von Teak. Optisch ist Lärche würziger, rötlicher, lebendiger gemasert – für Gartenbänke unser klarer Favorit.

3. Klarlack auf Petrobasis – das Ende einer Ära

Kaum jemand spricht darüber, aber auch im Chemiekabuff hat sich einiges verschoben. Lösungsmittelbasierte Klarlacke sind teurer geworden, manche Rezepturen wurden schlicht vom Markt genommen. Zudem verschärfen die Emissionsregeln die Lagerung und Entsorgung.

Unsere Alternative: Hartöl-Systeme auf pflanzlicher Basis. Wir waren anfangs skeptisch – zu viel Erzählung, zu wenig Substanz, dachten wir. Dann haben wir eine Eichenarbeitsplatte mit Hartöl behandelt, und das Ergebnis hat uns umgestimmt: Die Oberfläche fühlt sich an wie Holz, nicht wie Plastikfolie. Kratzer lassen sich lokal ausschleifen und nachölen, ganz ohne den ganzen Tisch abzuschleifen. Für unsere Kunden ein Mehrwert, für uns eine Erleichterung beim Arbeiten.

4. Messingbeschläge – die kleine Hardware, der große Ärger

Scharniere, Griffleisten, Eckverbinder aus Messing: Was als Nischenprodukt begann, wurde zum Zankapfel. Messing ist teuer in der Rohware, und die verbliebenen europäischen Gießereien sind ausgelastet. Vorlaufzeiten von zwölf Wochen sind keine Seltenheit mehr.

Unsere Alternative: Wir haben zwei Wege entdeckt. Erstens: Restaurationsbestände. Auf Flohmärkten, in Nachlässen und über Bauträger-Abbrüche finden sich originale Beschläge aus Gründerzeit und Jugendstil – patiniert, robust, mit Geschichte. Zweitens: regionale Gießereien, die auf Anfrage kleine Serien fertigen. Kostet pro Stück etwas mehr, dafür kommt die Ware aus 80 Kilometern Entfernung statt aus drei Kontinenten.

5. Kork – das unterschätzte Comeback

Kork wurde für uns teurer, weil die Ernte in Portugal und Spanien von Wetterextremen getroffen wurde. Aber hier gilt: Verzicht wäre falsch gewesen, denn die Alternative ist Kork selbst – nur anders beschafft.

Unsere Entdeckung: Wir beziehen expandiertes Korkmaterial nun direkt über eine kleine Genossenschaft, die Reststoffe der Korkverarbeitung aufkauft. Das Material eignet sich hervorragend für Wandpaneele und Akustiklösungen – ein Thema, das seit Homeoffice und offenen Wohnküchen alle beschäftigt. Preislich liegt es auf dem Niveau von mittlerem Massivholz, aber die Schallabsorption ist unschlagbar, und das Material ist vollständig erneuerbar.

Was wir gelernt haben

Die Krise hat uns gezwungen, genauer hinzuschauen: Woher kommt was, wer macht es, was steckt drin? Herausgekommen ist eine Beschaffung, die kürzer, transparenter und ehrlicher ist als alles, was wir vorher hatten. Und nebenbei haben wir Materialien wie Linde und Lärche neu für uns entdeckt – Hölzer, die in unserer Werkstatt heute nicht mehr wegzudenken sind. Der Duftvergleich fällt übrigens trotzdem für die Eiche aus. Aber das ist Geschmackssache. Wörtlich.

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